ÖFFENTLICHKEITSARBEIT, PUBLIC

Wozu überhaupt Öffentlichkeitsarbeit?

Das Bild von SM in der Öffentlichkeit ist leider nach wie vor nicht dazu geeignet, Einsteiger zu beruhigen und zum Outing - und sei es nur im eigenen Schlafzimmer zu ermutigen. Wer damit keinerlei Probleme hat, ist fein raus, sollte aber nicht davon ausgehen, dass die Situation für alle anderen auch so aussieht. Uns begegnen genügend Leute, die aller vermeintlichen sexuellen Liberalität zum Trotz von Scham und Schuldgefühlen wegen ihrer SM-Interessen geplagt werden.
Ich möchte keineswegs jeden SM-Interessierten dazu bringen, lautstark und öffentlich für seine Interessen einzutreten, ich möchte nur darauf hinarbeiten, dass Sadomasochismus eine sexuelle Normvariante wird, der man den gleichen Respekt entgegenbringt wie beispielsweise der Homosexualität. Schließlich werden Schwule in Talkshows oder Zeitungsartikeln auch nicht mehr wie exotische Tiere präsentiert (oder zumindest ist das nicht mehr die Regel). Und eine solche zivilisiertere Berichterstattung und insgesamt mehr Präsenz an der Öffentlichkeit sollte im Idealfall dazu führen, dass Einsteiger früher und leichter den Mut finden, mit dem Partner/ der Partnerin über ihre SM-Interessen zu sprechen. Mehr wollen wir gar nicht erreichen.

Aber SM ist doch längst ganz normal geworden: seht ihr denn nicht fern und lest keine Zeitung?

Das Argument"Was stellt ihr euch eigentlich so an, das ist doch alles ganz normal" ist eins der größten Hindernisse, mit denen wir zu kämpfen haben. Gerade für sorgenvolle Neulinge ist Sadomasochismus alles andere als "ganz normal", und die in den Medien übliche Form, sich des Themas anzunehmen, trägt nicht gerade dazu bei, das zu ändern.

Dazu schreibt Nicola Doering in Sexuelle Hilfe im Internet:

"Marginalisierte Formen sexueller Betätigung werden wegen ihres Exoten-Charakters in den Massenmedien (insbesondere in Talkshows und Reportagen) zunehmend vorgeführt, wobei die Medien tendenziell eine quotensteigernde Dramatisierung anstreben (z.B. professionelle Dominas/Subs treten im Outfit auf und bieten eine kleine Vorführung ihrer Praktiken), während es den politisch engagierten Angehörigen der Spezialkulturen in ihrer defensiven strategischen Selbstdarstellung eher darum geht, den Eindruck von Problemlosigkeit und unspektakulärer Normalität zu erzeugen, um dadurch der verbreiteten Kriminalisierung (z.B. Verdacht, Menschen mit aktiver sadomasochistischer Präferenz seien gewalttätig) und Pathologisierung (z.B. Unterstellung, Menschen mit passiver sadomasochistischer Präferenz seien selbstzerstörerisch) entgegenzuwirken. Die massenmedialen Darstellungen bieten potentiell Interessierten zwar einerseits die Möglichkeit zur Identifikation mit der nun sichtbaren Bezugsgruppe; andererseits wird durch die Popularisierung einer verzerrten und verkürzten (z.B. an Äußerlichkeiten wie Kleidung und Utensilien orientierten) Darstellung erneuter Stereotypisierung Vorschub geleistet (z.B. alle SM-Leute sind in Lack und Leder gekleidet und peitschen sich ständig gegenseitig aus). Schließlich führt die starke massenmediale Präsenz marginalisierter Sexualitäten auch zu der verbreiteten Fehlannahme, es wäre mittlerweile geradezu chic, im Lebensmodell und in der Sexualität vom Mainstream abzuweichen. Wenn wir die massenmedial inszenierte sexuelle Tabulosigkeit mit der Wirklichkeit verwechseln, laufen wir jedoch Gefahr, reale Ausgrenzung und Diskriminierung aus den Augen zu verlieren.""

Und was können wir bewerkstelligen, was nicht auch ohne geht?

Vertrauenswürdigkeit etablieren: Die Öfentlichkeitsarbeit mit einem gewissen Bekanntheitsgrad ausstatten. Aufgrund meiner Erfahrungen lesen gerade Frauen die Anzeigen spezifischer BDSM Gruppierungen oft jahrelang immer wieder, bis sie sich zu einem Besuch oder einer Kontaktaufnahme überwinden können. Haben Sie den Mut und schreiben Sie mir – ich werden gerne mit Ihnen sprechen und Sie bestens informieren.

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